Hannah Höch

Die Künstlerin Hannah Höch hat mit Ihren innovativen Collagen und Fotomontagen einen wesentlichen Beitrag zur DADA Bewegung geleistet und erntete damit große Anerkennung, und - wenn auch spät - Weltruhm.

Hannah Höch

Zu Ihrem immensen Oeuvre zählen neben den Collagen und Montagen auch Portraits, Landschaften gegenständlich-surreale Pflanzenbilder und abstrakte Arbeiten in allen Ihr zur Verfügung stehenden Techniken.
Herausragende Arbeiten sind zweifelsohne die Ölgemälde "Die Braut", "Roma" und "Die Journalisten" - entstanden Mitte der Dreißiger Jahre - auf denen sie das Collagematerial bis ins Tromp-d`oeil steigert, sowie die großformatige Collage "Schnitt mit dem Küchenmesser durch die letzte Weimarer Bierbauchkulturepoche Deutschlands".

Zitate von Hannah Höch:

"Ich habe mich um Handschrift und Merkmal nie gekümmert".

"Auch war ich zu keiner Zeit links oder rechts".

"Ich möchte die festen Grenzen auswischen, die wir Menschen mit einer eigensinnigen Sicherheit um alles, was in unseren Bereich kam, gezogen haben.
Ich will aufzeigen, dass klein auch groß sein kann und groß auch klein ist; allein der Standpunkt, bei dem wir bei unserem Urteil ausgehen, muss anders gewählt werden.
Ich würde heute die Welt aus der Sicht einer Ameise wiedergeben und morgen so, wie der Mond sie vielleicht sieht.

Hannah Höch 1929




In einem Interview mit einem Journalisten bekannte die damals 86-jährige:
"DADA hängt mir zum Halse raus! Langsam ist das doch abgedroschen. Aber in der heutigen Zeit wollen die Leute nur über die kurze Epoche von mir hören."

Unwillkürlich verfällt sie wieder in die Sprache der großen Garten-Künstlerin:
"Was da noch gewachsen ist, wird nicht bemerkt, meine Hoffnung ist die Frühlingssonne. Vielleicht gibt sie mir wieder Kraft - ich habe noch zu arbeiten!"

Keine andere Künstlerin des zwanzigsten Jahrhunderts hat die Kunstkritik - selbst zu Zeiten internationalen Erfolges - so in ein Schubfach zu drängen versucht wie Hannah Höch, und keine hat sich derart gewehrt dagegen.

Biographie von Hannah Höch

1889 Am 1. November wird Johanne Höch in Gotha/Thüringen als ältestes von fünf Kindern eines Versicherungsdirektors geboren.
1911 Höhere Töchterschule und ein Jahr Bürotätigkeit auf Drängen der Eltern.
1912 Beginn des Studiums an der Kunstgewerbeschule in Berlin-Charlottenburg bei Harold Bengen. Reisestipendium zur Werkbundausstellung in Köln.
1914 Unterbrechung der Ausbildung; zu Beginn des Krieges arbeitet sie in Gotha beim Roten Kreuz und anderen Hilfsorganisationen.
1915 Wiederaufnahme des unterbrochenen Studiums, jetzt an der Lehranstalt des staatlichen Kunstgewerbemuseums in Berlin, in der Fachklasse von Emil Orlik.
Beginn der Freundschaft mit Raoul Hausmann.
1915-26 Halbtagsstelle als Entwurfszeichnerin in der Redaktion für Handarbeiten im Ullstein-Verlag; eigenes Atelier in Berlin-Friedenau (Büsingstr. 16).
1916-18 Erste Collagen und Fotomontagen; Kontakte zu den Berliner Dadaisten; Zusammenarbeit mit dem Promoter der Berliner DADA-Bewegung Raoul Hausmann; Begegnung mit Helma und Kurt Schwitters. Die DADA-Puppen entstehen.
1919 Beteiligung bei der ersten DADA-Ausstellung bei Israel Ber Neumann am Kurfürstendamm; Mitglied der „November-Gruppe“.
1920 Beteiligung als einzige Frau an der „Ersten Internationalen DADA-.Messe“ im Kunstsalon Dr. Otto Burchard in Berlin. Diese Ausstellung zusammen mit Raoul Hausmann, John Heartfield, George Grosz, Richard Huelsenbeck, Wieland Herzfelde, Johannes Baader, Max Ernst und anderen kann als größte öffentliche Aktion der deutschen DADA-Bewegung bezeichnet werden. Wanderung nach Rom; in Rom Kontakt zu den Futuristen.
1921-22 Gemeinsame DADA-Tournee nach Prag mit Helma und Kurt Schwitters sowie Raoul Hausmann. Gestaltung der ersten Grotte im MERZ-Bau von Kurt Schwitters. Bekanntschaft mit Theo und Nelly van Doesburg, Hans Arp und Lazlo Maholy-Nagy.
Trennung von Hausmann (1922),
1924 Erster Paris-Aufenthalt. Bekanntschaft mit Tristan Tzara. Beteiligung an der „Ersten Allgemeinen Deutschen Kunstausstellung“ in der Sowjetunion.
1925 England-Reise. Zweite Grotte im MERZ-Bau von Schwitters. Zweite Paris-Reise.
1926 Reise nach Kijkduin/Holland; Begegnung mit der Schriftstellerin Til Brugman. Kontakt mit der Gruppe „de Stijl“.
1926-29 Lebt zusammen mit Til Brugman in Den Haag. Mitglied der Künstlergruppe „onafhankelijken“ (Die Unabhängigen). Reisen nach Paris, Italien, Norwegen, Belgien, Österreich, in die Schweiz und die Tschechoslowakei. Bekanntschaft mit Piet Mondrian.
1929-32 Erste Einzel-Ausstellung in der Avantgarde-Galerie „De Bron“ in Den Haag. Beteiligung mit Fotomontagen an der Internationalen Werkbund-Ausstellung „Film und Foto“ 1929 in Stuttgart. Reisen nach Italien, Paris, in die Schweiz, nach Norwegen, Belgien und Österreich.
1932 Übersiedlung nach Berlin mit Til Brugman.
Die im Bauhaus Dessau vorbereitete Einzel-Ausstellung wird durch die Nationalsozialisten verhindert. Beteiligung an verschiedenen Ausstellungen im Ausland.
1933 Der öffentliche Auftrag zu einer Dekoration für die Bauabteilung der Fremdenverkehrsamtes kommt durch die Machtübernahme nicht mehr zustande. Reise im Wohnwagen durch Holland und Italien.
1934 Einzel-Ausstellung in der Galerie dÁudretsch in Den Haag. Ausstellung in Brünn/Tschechoslowakei. Schwere Erkrankung an Basedow. Eine Operation rettet ihr das Leben.
1935 Veröffentlichung von Till Brugmanns erster Publikation in deutscher Sprache „Scheingehacktes“ mit Illustrationen von Höch. Begegnung mit Kurt Heinz Matthies. Trennung von Brugmann.
1935-43 Völliger Ausschluss aus der Kunstwelt.
1937 Die Diffamierung als Kulturbolschewistin kommt einem Berufsverbot gleich. Sie ist in Wolfgang Willrichs Säuberungsfibel aufgeführt. Radikale Vereinsamung.
1938 Heirat mit dem Volkswirtschaftler und Pianisten Dr. Kurt Heinz Matthies am 16. September.
1939 Kauf des Grundstücks An der Wildbahn 33 am 14. September mit Hilfe einer kleinen Erbschaft. Umzug am 3. November von Berlin-Friedenau, Rubensstr. 89 nach Berlin-Heiligensee. Sie beginnt sofort mit der Gartenarbeit.
Während des Krieges versteckt sie ihre Kunstwerke und die ihrer Freunde im Haus. Zuletzt vergräbt sie aus Angst vor den russischen Truppen einige Werke für kurze Zeit im Garten.
1942-44 Versuch künstlerischer Betätigung während der Kriegsjahre. Sie beantragt einen Ausweis zum Bezug von Malmitteln. Unterstützung durch die Deutsche Künstlerhilfe und die Ehrenversorgung der Stadt Berlin. Es entstehen zahlreiche Blumen-Aquarelle. Im Rahmen des Künstler-Nothilfeprogramms malt die Technikbegeisterte die Borsig-Werke von innen.
Lebt seit 1942 allein. 1944 Scheidung von Matties.
1945-46 Nach Kriegsende Beteiligung als eine der ersten Künstlerinnen am Wiederaufbau des kulturellen Lebens in Berlin. Ausstellung in der Galerie Rosen/Berlin
1947 Erste Montagen mit Farbfotos
1948 Teilnahme an der „DADA-Retrospektive“ im Museum of Modern Arts/New York.
1949 Erste Einzelausstellung nach dem Krieg, Galerie Franz/Berlin
1951 Verletzung des rechten Auges beim Schneiden der Kletterrosen. Das volle Sehvermögen erreicht sie nicht wieder.
1953 Briefaquarell an die Schwester Marianne
1961 Ehrengast in der Villa Massimo in Rom. „Retrospektive 1918-1961“, Galerie Nierendorf/Berlin.
1965 Berufung als Mitglied an der Akademie der Künste/Berlin
1966 Ausstellung „The Dada-World of Hannah Höch“, Malborough Gallery/London.
1968 Ausstellung Kunstamt Reinickendorf. Erste umfassende Biographie von Heinz Ohff.
1969 Ausstellung Kasseler Kunstverein – die Ausstellung zeigt erstmals einen repräsentativen Querschnitt ihres Schaffens.
Ablehnung des Angebots, ein Apartment im Hansaviertel zu beziehen. Errichtung eines Anbaus durch die Baubehörde in Reinickendorf zum 80. Geburtstag der Künstlerin.
1971 Erste Gesamtausstellung der Collagen und Fotomontagen in der Akademie der Künste/Berlin.
In den 70er Jahren lässt sie sich an den Augen operieren und kann wieder Farben sehen
1971-73 Zahlreiche Fotografien des Gartens von Liselotte und Armin Orgel-Köhne verarbeitet Höch zu der Fotomontage „Lebensbild“. Höchs Kommentar zu Aufnahmen, die durch ein Kaleidoskop gemacht werden: Wie ich mich in meinem Garten auflöse.
1973 Ausstellung Kunsthalle Bielefeld
1974 Ausstellung National Museum of Modern Art/Kyoto
1975 Ausstellung Galerie Nierendorf/Berlin
1976 Retrospektive im Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris und in der Nationalgalerie Berlin
Die Stadt Berlin verleiht Höch die Ehrenprofessur.
Ihr Kommentar dazu: Mein Garten wird sich freuen.
1976-77 Ausstellung Museum Sztuki/Lodz.
1977 Beteiligung an der 15. Europäischen Kunstausstellung Berlin „Tendenzen der Zwanziger Jahre“ und „Berlin Now“, Goethe-Institut/New York
1978 Ausstellung „Hannah Höch – Ein Leben mit der Pflanze“, Städtisches Museum/Gelsenkirchen.
Am 31. Mai stirbt Hannah Höch im Alter von 88 Jahren in ihrem Haus in Berlin-Heiligensee. Sie hinterlässt ihren sehr individuellen Garten und den größten DADA-Fundus überhaupt.
1979 Ausstellung Galerie Nierendorf/Berlin zum 90. Geburtstag.
1980 Ausstellung „Fotomontagen, Gemälde, Aquarelle“, Kunsthalle Tübingen
1982 Ausstellung Galerie Remmert & Barth/Düsseldorf
1989 Ausstellungen zum 100. Geburtstag
Rathausgalerie Reinickendorf/Berlin
Galerie Bodo Niemann/Berlin
„Ihr Leben, ihr Werk, ihre Freunde“, Berlinische Galerie/Berlin.
1993 Ausstellung Schloss Friedrichstein/Gotha
1996 Ausstellung Walker Art Center/Minneapolis
1997 Ausstellung „The Photomontages of Hannah Höch“, The Museum of Modern Art/New York
2003 Ausstellung Itami Museum/Itami, Japan
2004 Ausstellung Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia/Madrid.
2007 Ausstellungen
„Aller Anfang ist DADA“, Berlinische Galerie/Berlin
„Hannah Höch – Gartenwelten“, Schloss Friedenstein/Gotha